Oliver Wyman-Analyse zum digitalen Wandel: Autonomes Fahren birgt enormes Potenzial für Automobilindustrie und neue Marktteilnehmer

Pressemitteilungen/2015

Oliver Wyman-Analyse zum digitalen Wandel: Autonomes Fahren birgt enormes Potenzial für Automobilindustrie und neue Marktteilnehmer

16.07.2015

  • Automatisierung der Mobilität eröffnet neue „Wertepools“
  • Strategische Partnerschaften und technologisches Know-how sind wettbewerbsentscheidend
  • Die Einführung autonomer Fahrzeuge wird evolutionär erfolgen
  • Regulatorische und ethische Fragen sind größte Einführungshemmnisse

 

München, 16. Juli 2015 – Das autonom fahrende Auto ist schon bald keine Utopie mehr. Bereits im Jahr 2035 werden teil- und vollautomatisierte Fahrzeuge voraussichtlich zwischen 20 und 30 Prozent der globalen Fahrzeugproduktion ausmachen. Die Automatisierung des Fahrens geht einher mit einer Ausdifferenzierung der Wertschöpfungskette. Daraus entstehen neue Marktpotenziale und Chancen für neue Marktteilnehmer. Die Frage ist: Wer wird am autonomen Fahren verdienen? Eine aktuelle Oliver Wyman-Analyse zeigt die fünf wichtigsten „Wertepools“ auf.

Die Automatisierung der individuellen Mobilität wird die Automobilindustrie und ihre Wertschöpfungskette tiefgreifend verändern. Dieser Wandel eröffnet nicht nur Unternehmen aus der traditionellen Automobilindustrie, sondern auch neuen Spielern vor allem aus der IT-Branche die Chance, sich in diesem Markt zu positionieren. Wettbewerbsentscheidend wird es für alle Marktteilnehmer – Hersteller, Zulieferer, IT-Unternehmen, Infrastrukturanbieter, Versicherer und Werbedienstleister – sein, die spezifischen „Wertepools“, das heißt die Marktpotenziale, die sich aus dem autonomen Fahren ergeben, zu identifizieren und zu besetzen. „Für Automobilhersteller kommt es jetzt darauf an, die neuen Wertschöpfungs­möglichkeiten durch strategische Partnerschaften abzudecken, während Zulieferer sich darauf konzentrieren sollten, modernste Technologie zu wettbewerbsfähigen Preisen bereitzustellen“, sagt Juergen Reiner, Automobil-Experte und Partner bei Oliver Wyman. „Die erfolgreichsten Spieler werden die Anforderungen der Fahrzeugnutzer, die Entwicklung der gesetzlichen Regelungen und der Versicherungsbestimmungen antizipieren und maßgeschneiderte Lösungen anbieten.“

In einem aktuellen Marktmodell zeigt Oliver Wyman auf, dass allein die fünf wichtigsten Wertepools ein kombiniertes globales Marktpotenzial von 200 Milliarden US-Dollar übersteigen werden:

Mehr Sicherheit: Autonome Fahrzeuge werden zehnmal seltener in Unfälle verwickelt sein als normale Fahrzeuge heute. Die Bereitschaft der Autokäufer, in Innovationen für mehr Sicherheit zu investieren, birgt erhebliches Umsatzpotenzial für Hersteller und Zulieferer. Zugleich wird sich die Verantwortung, ein Fahrzeug zu versichern, voraussichtlich vom Autokäufer auf das Fahrzeug selbst sowie den Hersteller verlagern. Die daraus entstehenden Potenziale für neue Versicherungsmodelle werden den Versicherungsmarkt verändern.

Neue Mobilitätsservices: Autonomes Fahren wird zum einen neue Nutzerkreise mobil machen. Zum anderen entsteht beim Passagier des selbstfahrenden Fahrzeugs ein Zeitfenster, in dem er seine Aufmerksamkeit anderen Aktivitäten wie dem Surfen im Internet oder neuen Angeboten von Seiten der Unternehmen zuwenden kann.

Datennutzung: Autonome Fahrzeuge nutzen und generieren große Mengen an Daten, in deren weiterer Verwendung hohes wirtschaftliches und sicherheitsrelevantes Potenzial steckt. Die Diskussion um die Frage, wer diese Daten wie nutzen darf, steht jedoch noch am Anfang.

Neue Logistikkonzepte: Selbstfahrende Autos und LKWs eignen sich beispielsweise ideal dazu, die Effizienz innerstädtischer Zustelldienste zu steigern. Das gilt insbesondere in Verbindung mit elektrischem Antrieb. Neuartige Carsharing-Angebote lassen den Nutzungsgrad der Fahrzeuge ansteigen, wodurch insgesamt weniger Fahrzeuge benötigt werden.

Städtische Infrastrukturen: Die Automatisierung des Fahrens wird zu weniger Staus, weniger Verkehr verursacht durch die Parkplatzsuche und einem geringeren Bedarf an raumgreifenden Parkhäusern führen. Das wird sich positiv auf die Gestaltung urbaner Räume auswirken.

Einführung autonomer Fahrzeuge erfolgt evolutionär
Voll-automatisierte Fahrzeuge werden die Straßen nicht auf einen Schlag erobern. Die Umstellung erfolgt vielmehr evolutionär, in vielen kleinen teilautomatisierten Schritten. Beispiele für die zahlreichen Stadien zwischen manuellem und vollautomatischem Fahren sind Fahrassistenzfunktionen wie beispielsweise Abstandsregeltempomat (ACC), Spurhalte­assistent, Rangier- und Baustellenassistent sowie das selbsttätige Einparken in enge Parklücken oder Garagen. Die Entwicklung zunehmend automatisierter Funktionen hat bereits vor Jahren eingesetzt, Hersteller aus Europa und USA setzen dabei allerdings unterschiedliche Schwerpunkte: Während in Europa der größte Teil der Entwicklungsanstrengungen auf die Stärkung der traditionellen Fahrzeugtechnik und die weitere Verbesserung der Sicherheits­merkmale verwendet wird, spielen in den USA zunehmend Ideen und Unternehmen aus der digitalen Wirtschaft eine Rolle. Diese drängen teilweise mit disruptiven Ansätzen auf den Markt. „Innovationstreiber sind ganz klar ehemals industriefremde Firmen mit unkonventionellen Ansätzen wie Google, Apple, Tesla und Uber“, sagt Joern Buss, Automobil-Experte und Partner bei Oliver Wyman.

Regulatorische und ethische Fragen noch zu lösen
Mit fortschreitender Entwicklung zeigt sich immer mehr, dass die technischen Hürden bald genommen sein werden. Vielmehr stehen der Einführung des teil- oder vollautomatisierten Fahrbetriebs noch regulatorische Hemmnisse sowie – vor allem in Deutschland – eine niedrige Akzeptanz der Fahrzeugnutzer entgegen. Weitere Hindernisse werden auch zunehmend im Bereich ethischer Themen sichtbar: So ist weiterhin die Frage offen, wie eine durch Algorithmen gesteuerte Entscheidungsfindung im Falle eines Crash ethische Abwägungen treffen kann. Das gilt etwa, wenn sich einem autonomen Fahrzeug bei einem als unabwendbar erkannten Zusammenstoß die Alternative stellt, ob zur Abwendung eigener schwerer Schäden notfalls Schäden Unbeteiligter in Kauf genommen werden dürfen.

Über Oliver Wyman

Oliver Wyman ist eine international führende Managementberatung mit weltweit 4.000 Mitarbeitern in mehr als 50 Büros in 26 Ländern. Das Unternehmen verbindet ausgeprägte Branchenspezialisierung mit hoher Methodenkompetenz bei Strategieentwicklung, Prozessdesign, Risikomanagement und Organisationsberatung. Gemeinsam mit Kunden entwirft und realisiert Oliver Wyman nachhaltige Wachstumsstrategien. Wir unterstützen Unternehmen dabei, ihre Geschäftsmodelle, Prozesse, IT, Risikostrukturen und Organisationen zu verbessern, Abläufe zu beschleunigen und Marktchancen optimal zu nutzen. Oliver Wyman ist eine hundertprozentige Tochter von Marsh & McLennan Companies (NYSE: MMC). Folgen Sie Oliver Wyman auf Twitter @OliverWyman.