Europäische Industrieunternehmen: CO2-Einsparpotenzial von 200 Millionen Tonnen bis 2030

München Die sieben europäischen Industrien mit der größten Kohlendioxidemission könnten ihren energiebedingten CO2-Ausstoß mit der Hilfe von Energieversorgern bis 2030 um ein Drittel reduzieren. Konkret wäre in den kommenden zehn Jahren eine Einsparung von 200 Millionen Tonnen CO2 möglich, wie eine aktuelle Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman zeigt. Insbesondere die Einbindung von vier Technologiebereichen spielt hierbei eine tragende Rolle.

Auf europäischer sowie größtenteils auch auf globaler Ebene der Politik werden die Forderungen zur Reduzierung von Treibhausgasen immer deutlicher. So gibt der European Green Deal der Europäischen Kommission vor, dass die Nettoemissionen von Treibhausgasen in der EU bis zum Jahr 2050 auf null reduziert werden sollen. Das Pariser Abkommen der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen besagt, dass der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf 1,5°C begrenzt werden soll. Für die teilnehmenden Nationen aber auch die Industrieunternehmen in den Ländern bedeutet dies noch einen weiten Weg. In ihrer aktuellen Analyse „Carbon Neutral“ hat die internationale Strategieberatung Oliver Wyman die Industrien mit dem größten CO2-Ausstoß – Eisen und Stahl, Chemie und Petrochemie, nichtmetallische Mineralien, Nichteisenmetalle, Maschinen, Nahrungsmittel und Tabak sowie Papierzellstoff und Druck – analysiert und dabei hohe CO2-Einsparspotenziale identifiziert.

Erhebliche Einsparungen möglich

Wenn die industriellen Akteure die kürzlich von der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgeschlagenen Anpassungen des Green Deals verfolgen, wären bis 2030 energiebedingte Kohlenstoffemissionsreduktionen von bis zu einem Drittel gegenüber 2015 mit Unterstützung der Energieversorger möglich. Dies entspräche 200 Millionen Tonnen CO2, die die genannten Industrien vermeiden könnten. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 lag der CO2-Ausstoß der gesamten Luftfahrtbranche in Europa bei 163 Millionen Tonnen[1]. „Energieversorger haben nun die Chance, mithilfe von Brücken- und Zukunftstechnologien und den richtigen Partnerschaften Industrieunternehmen bei der CO2-Reduzierung zu unterstützen“, sagt Jörg Stäglich, Leiter Utilities bei Oliver Wyman.

Vier Technologietypen für die Reduzierung von CO2

Laut der Analyse können mehrere Technologien zur Reduzierung der energiebedingten Kohlenstoffemissionen im Industriesektor herangezogen werden. „Diese Technologiegruppen unterscheiden sich hinsichtlich CO2-Einsparpotenzial, Reifegrad der zugrunde liegenden Technologien und der erforderlichen Investitionen“, sagt Dennis Manteuffel, Principal der Energie-Praxisgruppe bei Oliver Wyman. „In der langfristigen Perspektive hängt die Priorität dieser Technologien hauptsächlich vom CO2-Reduktionspotenzial und der Entwicklung der Technologiekosten bis 2030 ab.“

Eine Aufteilung der Technologien entlang der kurz- und langfristigen Priorität zeigt vier Felder, die ähnliche Technologieansätze bündeln und Chancen für Versorgungsunternehmen bieten: Das erste strategische Spielfeld, bestehend aus Biomasse, ist eine Brückentechnologie, da sie heute in den meisten Sektoren eine Rolle spielen kann, aber langfristig nur in bestimmten Sektoren eine nachhaltige Technologie zur Strom und Wärmeerzeugung bleiben wird. Ein weiteres Feld sind verschiedene Stadien der unabhängigen Stromversorgung, die sowohl kurz- als auch langfristig von hoher Relevanz sind. Weiterhin gibt es das Feld der Nischentechnologien für die Elektrifizierung von Wärme, Abwärmenutzung und Systemintegration, die für bestimmte Sektoren bereits heute attraktiv sind. Auch die Technologien Wasserstoff und Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -speicherung stellen einen relevanten Bereich dar. „Letztere haben sektorenübergreifend ein hohes Potenzial für Energiegewinnung, jedoch ist deren Einsatz in vielen Fällen noch von Entwicklungsfortschritten und Kostendegressionen abhängig“, sagt Manteuffel.

Chancen für Versorgungsunternehmen

Um Industrieunternehmen optimal unterstützen zu können, sollten Energieversorger auf ihren spezifischen Fähigkeiten in den verschiedenen Technologien sowie ihrem Footprint aufbauen: „Energieversorger sollten ihre Strategie sowie Rollen und Angebote in diesem Feld klar definieren und darauf zielen, langfristig nachhaltige Positionen und damit Erträge auf dem Energiemarkt von morgen zu sichern“, sagt Dr. Thomas Fritz, Partner und Energiewirtschaftsexperte bei Oliver Wyman. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, wie sich Energieversorger positionieren könnten – etwa als Reduction Enabler, der Unternehmen mit bereits bestehenden Technologien bei der CO2-Reduktion unterstützt; als Green Infrastructure Provider, der den Industrieunternehmen Infrastrukturlösungen für Strom, Wärme und gasförmige Produkte (wie Biogas, Wasserstoff oder abgeschiedenes CO2) ermöglicht; oder als Innovationspartner, der hoch innovativ und zukunftsorientiert mit emissionsintensiven Kunden zusammenarbeitet, um Pilotprojekte durchzuführen. „Die heutigen Technologien und das enorme CO2-Einsparpotenzial sind eine Riesenchance, sowohl für Versorger als auch ihre Kunden, den Energieverbrauch in der Industrie effizienter und nachhaltiger zu gestalten“, sagt Fritz.

[1] Europäischer Luftfahrt-Umweltbericht 2019

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Europäische Industrieunternehmen: CO2-Einsparpotenzial von 200 Millionen Tonnen bis 2030


Oliver Wyman-Analyse „Carbon Neutral – Opportunities for Utilities in a Decarbonized Environment“

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