Wasserstoff geht nur im Dreiklang

Oliver Wyman-Analyse zur Brennstoffzelle

München – Auf Wasserstofftechnologie wird in vielen Anwendungsbereichen große Hoffnung gesetzt – auch im Gütertransport. Gemäß Berechnungen von Oliver Wyman wären die Transportkosten bei wasserstoffbetriebenen LKW 2025 zwar noch 30 Prozent höher als beim Verbrennungsmotor. Doch wenn Staat, Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Kunden an einem Strang ziehen, kann der Wasserstofftechnologie der Durchbruch gelingen.

Das Pariser Klimaabkommen hat Länder und Firmen dazu gezwungen, sich zur CO2-Neutralität zu verpflichten. Seit Beginn des Jahres wurden mit den Wasserstoffinitiativen der EU und der Bundesregierung Investitionen in Höhe von fast 500 Milliarden Euro bis 2050 beschlossen. Durch technologische Weiterentwicklung könnte die Produktion von Wasserstoff bald auch in vielen Anwendungsbereichen wirtschaftlich rentabel werden. Dazu zählen industrielles Heizen, grüne Düngemittel (Ammoniak), Gaserzeugung für Privathaushalte, Stahlerzeugung sowie der Antrieb von Regionalzügen, LKW und PKW.

„Gerade in Europa wird Wasserstoff schon seit Jahrzehnten diskutiert“, sagt Simon Schnurrer, Technologie-Experte bei Oliver Wyman. „Der Durchbruch in den Massenmarkt kann jedoch nur branchenübergreifend funktionieren. Daher müssen viele Akteure gleichzeitig und koordiniert die Technologie und den wirtschaftlichen Nutzen weiterentwickeln. Die Jahre bis 2025 werden dabei entscheidend sein.“

LKW als vielversprechendes Anwendungsfeld

LKW sind einer der ersten Anwendungsbereiche, in dem die Brennstoffzelle substanziell vorangetrieben wird. Grund dafür sind die EU-weiten Ziele zum CO2-Ausstoß für Gütertransport, die technische Machbarkeit sowie die langfristige Wettbewerbsfähigkeit gegenüber batterieelektrischen Antrieben. „LKW-Hersteller erwarten, dass die Speditionen zunehmend CO2-neutralen Transport nachfragen werden“, sagt Romed Kelp, Nutzfahrzeugexperte bei Oliver Wyman. „Diese Nachfrage gilt es zu bedienen.“

Etablierte LKW-Hersteller haben in den vergangenen Monaten vermehrt Joint Ventures gegründet, um die Kosten für Technologieentwicklung und Kommerzialisierung zu bündeln. Dazu zählt etwa die Zusammenarbeit des Hafens Rotterdam mit Unternehmen aus verschiedenen Branchen, unter anderem den Herstellern IVECO und Nikola, Air Liquide, dem Logistikunternehmen Vos, Jongeneel Transport und HN Post sowie weiterer Partner. Aber auch Hyundai, Faurecia und H2 Energy in der Schweiz führen ihre Kompetenzen in einer Allianz zusammen mit dem Ziel, eine vierstellige Anzahl von Wasserstoff-LKW auf die Straße zu bringen.

„Es ist viel Bewegung im Markt. Erste Pilotprojekte werden aufgesetzt, um sowohl die Technik als auch das Zusammenspiel mit der Infrastruktur und den verschiedenen Akteuren im Markt zu testen“, sagt Kelp.

An einem Strang ziehen

Um erfolgreich auf Wasserstoffantrieb umzustellen, müssen Unternehmen, Staat und Konsumenten an einem Strang ziehen. „Energiewende und E-Mobilität zeigen es klar auf: Gezielte und konzertierte staatliche Unterstützung, branchenübergreifende Zusammenarbeit von Unternehmen, verändertes Konsumverhalten und Kundenakzeptanz höherer Preise sind notwendige Bedingungen für die breite Einführung von klimaschonenden Technologien“, so Schnurrer.  

Bei der Einführung und dem Betrieb von Wasserstoff-LKW etwa sind insbesondere bei der Infrastruktur hohe Kosten zu stemmen. „Eine Wasserstoff-Tankstelle kann schnell eine siebenstellige Investition ausmachen“, sagt Schnurrer. „Und auch im Betrieb und in der Versorgung ist das nicht günstig. Mehr noch als bei der batterieelektrischen Mobilität gilt: Ohne signifikante Investitionen und Know-how von Energieunternehmen und Infrastruktur-Anbietern wird es beim Wasserstoff nicht funktionieren. Hier müssen europäische Regierungen klare Vorgaben machen und Anreize setzen.“

Der Staat spiele eine wichtige Rolle sowohl bei der Förderung der Infrastruktur, aber auch bei der Herstellung und dem Transport von nachhaltig erzeugtem Wasserstoff sowie spezifischen Förderungen und Erleichterungen wie etwa Steuer- und Mautreduzierung bei wasserstoffbetriebenen LKW. 

Auch die Konsumenten gilt es den Beratern zufolge zu aktivieren. Gemäß Berechnungen von Oliver Wyman läge der Mehrpreis von wasserstoffbetriebenem Transport für Speditionen 2025 noch bei etwa 30 Prozent. „Auch wenn die Kosten mit der Zeit sinken, sind sie immer noch zu hoch, um von den Transportunternehmen alleine getragen werden zu können“, sagt Kelp. „Hier muss sich der Konsument die Frage stellen, wieviel ihm ein klimaneutraler Transport seiner Produkte wert ist.“. Heruntergerechnet auf beispielsweise einen Joghurtbecher, den der Konsument im Supermarkt kauft, würde der Mehrpreis bei nur 2 Cent pro Becher liegen. „Vielleicht ist das kein zu hoher Preis für einen signifikanten Umweltbeitrag“, so Kelp.

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Maike Wiehmeier
Senior Communications Manager
Oliver Wyman
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