Corona-Pandemie beschleunigt Umsteuern zur E-Mobilität

12.08.2021

München, 12. August 2021 Der zunehmende Erfolg der Impfkampagnen sorgt weltweit für eine Rückkehr zum Mobilitätsbedarf der Zeit vor der Corona-Krise. Die individuellen Bedürfnisse allerdings haben sich in einigen Ländern deutlich verändert. Eine Studie der Strategieberatung Oliver Wyman zeigt, dass Nachhaltigkeit stark an Bedeutung gewinnt. So verdreifachte sich binnen eines Jahres das Interesse an E-Autos bei den Befragten in den sieben teilnehmenden Ländern. Die Hersteller erwartet damit eine erhöhte Nachfrage: Denn 15 Prozent der Befragten wollen noch in diesem Jahr ein Elektrofahrzeug erwerben. Unternehmen im öffentlichen Personenverkehr sowie die Anbieter von Sharing-Diensten dagegen stehen vor großen Herausforderungen. Zwar könnte die Nutzung von Impfpässen dabei helfen, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Fast die Hälfte der Befragten äußert jedoch datenschutzrechtliche Bedenken, den eigenen Impfstatus offenzulegen.

Homeoffice statt Büro, privater Pkw statt Bus und Bahn: Die Corona-Pandemie hat nicht nur die Nachfrage nach Mobilität massiv gedrückt. Zugleich veränderte sie die Art der Fortbewegung stark. Aus Angst vor einer Infektion gaben viele Menschen dem eigenen Auto den Vorzug vor dem öffentlichen Personenverkehr sowie Sharing-Angeboten. Mit steigenden Impfquoten ändert sich das Bild nun wieder. Eine weltweite Studie der Strategieberatung Oliver Wyman zeigt: Der Mobilitätsbedarf nähert sich dem Vorkrisen-Niveau. „In naher Zukunft werden wir insgesamt eine ähnliche Nachfrage sehen wie vor dem Corona-Ausbruch, wenn auch in einem anderen Mix“, sagt Andreas Nienhaus, Partner bei Oliver Wyman. Die Erhebung dokumentiere dabei allerdings veränderte Präferenzen: „Nachhaltigkeit hat bei der Auswahl von Verkehrsmitteln weltweit enorm an Bedeutung gewonnen.“

Viele haben in der Krise offenbar ihr Mobilitätsverhalten auf den Prüfstand gestellt – und streben nun nach mehr Umweltschutz. Hauptprofiteur ist die Automobilbranche. „In der Pandemie ist das Interesse an klimafreundlichen Antrieben mit hohem Tempo gestiegen“, erläutert Nienhaus. „Vor allem E-Autos haben beim Zuspruch deutlich zugelegt.“ Die Zahl der Personen, die grundsätzlich Bereitschaft für den Kauf oder das Leasen eines E-Autos signalisieren, stieg im Vergleich zum Vorjahr um den Faktor 2,7. Inzwischen bevorzugen damit global zwei von drei Befragten den klimafreundlichen Antrieb. Vorreiter ist hier China mit 92 Prozent vor Italien mit 78 Prozent. „Junge Menschen, die in Städten leben, beschleunigen diesen Wandel“, sagt Nienhaus. Deutschland liegt mit einem Zuspruch von 55 Prozent deutlich dahinter. Weltweit planen 15 Prozent der Befragten den Kauf eines E-Autos noch in diesem Jahr. China ist auch hier die Nummer eins mit 34 Prozent vor Italien mit 16 Prozent. Deutschland kommt auf acht Prozent. Wichtigstes Argument für den Kauf eines E-Autos ist für 21 Prozent der Befragten der Klimaschutz. 19 Prozent legen vor allem Wert auf eine Ladeinfrastruktur und 18 Prozent schauen besonders auf die Kosten. In Deutschland ist die Ladeinfrastruktur mit 25 Prozent dagegen der wichtigste Entscheidungsfaktor.

Viele wollen mehr Rad fahren und zu Fuß gehen

In sieben Märkten hat Oliver Wyman für die Erhebung im Frühjahr 2021 insgesamt 5.600 Personen befragt – neben den fünf europäischen Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien auch in den USA und China. Mehr als 80 Prozent der Befragten in allen Ländern geben an, dass sie ihren Lebensstil verändern wollen. „Ein wichtiges Ziel ist, die CO2-Emissionen der individuellen Mobilität insgesamt zu verringern“, sagt Automobilexperte Nienhaus. „Das hat auch mit Corona zu tun: Die Menschen haben es positiv wahrgenommen, wenn in ihren Städten weniger Verkehr herrschte. Auch die Luftqualität verbesserte sich gerade in den Metropolen.“ Viele hätten deshalb auch den Vorsatz gefasst, häufiger zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren. Bei der Geschwindigkeit, mit der sich nachhaltige Mobilität durchsetzt, erwartet Oliver Wyman-Berater Nienhaus teils deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. „Viel hängt von politischen Maßnahmen ab – etwa Investitionen in eine bessere Fahrrad-Infrastruktur oder der Ausweitung von Umweltzonen.“  

Zweifel am Datenschutz hemmen Impfpass-Einsatz

Bei der Einstellung zum öffentlichen Personenverkehr zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen der westlichen Welt und China. In der Volksrepublik erreicht die Akzeptanz von Bus und Bahn bereits wieder den Vor-Corona-Wert. „China kehrt zum ursprünglichen Mobilitätsmix zurück“, sagt Laura Bossert, Associate Partner bei Oliver Wyman. „In Europa und den USA dagegen herrscht noch deutliche Zurückhaltung gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln.“ In den USA ist die ohnehin überdurchschnittliche Präferenz für den privaten Pkw während der Pandemie noch weiter gestiegen. „Die Dominanz des Individualverkehrs wird trotz zunehmender Impfungen hoch bleiben“, sagt Bossert. Während in China 40 Prozent der Befragten für den Schutz des Klimas häufiger U-Bahn oder den Zug nutzen wollen, sind es in den USA nur zehn Prozent.

Insgesamt sagen 40 bis 50 Prozent der Befragten, dass sie sich mit steigenden Impfquoten in Bus und Bahn wieder sicherer fühlen – beim privaten Pkw sind es 87 Prozent. „Es wird einen hohen Einsatz verlangen, die Skeptiker zu überzeugen“, sagt Mobilitätsexpertin Bossert. Eine Schlüsselrolle beim Werben um das Vertrauen der Kundschaft könne dabei dem digitalen Impfpass zukommen. Zwei Drittel der Befragten äußern in der Studie die Bereitschaft, ihren Impfstatus mitzuteilen. Doch immerhin die Hälfte aller Teilnehmer führt Bedenken in Bezug auf die Datensicherheit und den Schutz ihrer Privatsphäre an. In Deutschland sind diese Sorgen besonders ausgeprägt. Allerdings könnten Bus und Bahn in allen betrachteten Ländern ganz automatisch von der Rückkehr zum Mobilitätsniveau der Vor-Corona-Zeit profitieren, sagt Bossert. „Wenn wieder mehr Menschen ins Büro fahren, werden auch die Staus zunehmen. Möglicherweise wird schon das ein Umdenken hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln bringen.“

Über die Studie

Für die Studie hat Oliver Wyman mehr als 5.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in sieben Ländern (Deutschland, China, Frankreich, Italien, Spanien, UK und USA) mit unterschiedlichem Hintergrund, über alle Altersklassen und mit unterschiedlichem Impfstatus befragt. Ziel der Befragung war es, herauszufinden, wie sich die Haltung der Menschen zu Mobilität mit der Verfügbarkeit von COVID-19 Impfstoffen im Vergleich zu dem letzten Puls Check im Juni 2020 verändert hat. Die Befragung fand im März 2021 statt.

Über Oliver Wyman

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