Haushalte wollen klimafreundlicher werden – Energieversorger können davon stark profitieren

20.01.2021

München, 20. Januar 2021 Fast jeder zweite Haushalt in Deutschland würde für einen kleineren CO2-
Fußabdruck höhere Kosten in Kauf nehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Strategieberatung Oliver Wyman. Bis zu 30 Prozent der CO2-Emissionen im privaten Verbrauch ließen sich demnach bis 2030 einsparen. Den Energieversorgern bieten sich so erhebliche Wachstumschancen. Beim Klimaschutz im Bereich Wohnen und lokale Mobilität könnten die Anbieter eine Schlüsselrolle übernehmen, wenn diese konsequent auf die richtige Marktansprache für die wachsende klimabewusste Zielgruppe setzen. Die dafür notwendigen Lösungen sind bereits vielfach vorhanden. 

Sie beziehen gerne Ökostrom oder erzeugen ihn sogar, sie heizen mit Biogas oder wollen E-Autos fahren: Eine wachsende Zahl von privaten Verbrauchern strebt in Deutschland danach, die eigene Klimabilanz zu verbessern.
58 Prozent der Deutschen bekunden laut der aktuellen „Carbon Neutral“- Studie der Strategieberatung Oliver Wyman ein hohes oder sehr hohes Interesse an Produkten und Dienstleistungen, die den persönlichen CO2-Fußabdruck verringern. „Die vorhandenen technischen Lösungen stoßen bei privaten Endverbrauchern auf ein enormes Interesse – und das in der Regel sogar, wenn dadurch höhere Kosten entstehen“, sagt Oliver Wyman-Partner Thomas Fritz. Die Berater holten deutschlandweit bei insgesamt 1.000 Personen Meinungen zu 22 Anwendungsfällen ein. Betrachtet wurden fünf Haushaltstypen unterschiedlicher Altersgruppen, Präferenzen und Kaufkraft. 

Jüngere Städter treiben die Entwicklung 

Für Energieversorger sehen die Oliver Wyman-Experten angesichts des hohen Interesses an Nachhaltigkeit große Chancen: „Die Unternehmen können eine Schlüsselrolle für den Klimaschutz im privaten Sektor übernehmen, wenn sie Angebote zur Reduktion des CO2-Fußabdrucks von Privathaushalten verstärkt auf den Markt bringen und ihr Produktportfolio mit Technologiepartnern entsprechend gestalten“, sagt Fritz. Ein entscheidender Faktor: Der Wille zu mehr Klimaschutz ist mit erheblicher Zahlungsbereitschaft hinterlegt. Immerhin 45 Prozent der Befragten sind bereit, für eine bessere Klimabilanz auch höhere laufende Kosten oder eine Anfangsinvestition zu akzeptieren. Dabei nimmt das Interesse an Lösungen zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks allerdings mit zunehmendem Alter ab. Erreicht es bei den unter 47-Jährigen noch 69 Prozent, so sinkt dieser Wert bei den 58- bis 67-Jährigen schon auf 46 Prozent. Auch Urbanität ist ein wesentlicher Faktor: 67 Prozent der Großstädter bekennen Interesse und 58 Prozent der Kleinstädter, 53 Prozent der Menschen in vorstädtischen Gebieten und 48 Prozent der Menschen auf dem Land.  

„Die Energiewende bedeutet auch eine Demokratisierung der Energieversorgung“, sagt Jörg Stäglich, Partner bei Oliver Wyman. „Die Menschen erhalten immer mehr Möglichkeiten, ihre Verbrauchsgewohnheiten umzustellen und selbst für mehr Nachhaltigkeit aktiv zu werden – das reicht tief hinein in den tagtäglichen Bereich.“  

Bei der Frage nach den Kundenwünschen lag Speichertechnik weit vorn – 76 Prozent der Befragten zeigten hier ein ausgeprägtes Interesse. Virtuelle Energiespeicher waren mit 82 Prozent als Einzellösung besonders gefragt. Betreiber von Photovoltaikanlagen können damit zum Beispiel überschüssigen Strom im Sommer bei ihrem Versorger quasi ansparen und im Winter im Bedarfsfall wieder abrufen. Immer mehr Verbraucher sehen sich auch als „Prosumer“, die gleichermaßen Strom produzieren und einspeisen wie auch beziehen – 60 Prozent bekennen hier Interesse. Besonders beliebt sind in diesem Geschäftsfeld Lösungen, die einen direkten Energieaustausch mit anderen Haushalten ermöglichen. Mehr als die Hälfte der Befragten kann sich sogar vorstellen, gemeinsam mit Nachbarn Strom zu erzeugen. Gleichzeitig haben 56 Prozent der Befragten ein hohes oder sehr hohes Interesse am Thema Energieeffizienz. Dabei steht die Analyse und Optimierung des persönlichen Strom- und Wärmeverbrauchs besonders hoch im Kurs, jedoch deutlich hinter den Speichertechniken. Im Sektor der nachhaltigen Mobilität interessierten sich drei Viertel der Befragten dafür, öffentliche Ladeinfrastruktur für E-Autos in Anspruch zu nehmen. Gut die Hälfte der Befragten fände es attraktiv, variable Stromtarife zu nutzen und ihren Strom- und Wärmeverbrauch auch von außen steuern zu lassen.  

Kaufkraft als wichtiger Faktor 

Der Hebel für den Klimaschutz ist groß. Je nach Haushaltstyp besteht laut Studie das Potenzial, den persönlichen CO2-Fußabdruck für die betrachteten Bereiche Strom, Wärme sowie lokale Mobilität um 48 bis 80 Prozent zu reduzieren. Das tatsächlich realisierbare Potenzial hängt jedoch vom Verhalten der Konsumenten ab: Berücksichtigt man Kaufkraft und persönliche Präferenzen, so ist in Summe im privaten Sektor in den kommenden drei Jahren von einem CO2-Einsparpotenzial von 10 Prozent, bis 2030 von bis zu 30 Prozent auszugehen. „Um das vorhandene Potenzial stärker auszuschöpfen, könnten die Anbieter von relevanten Lösungen Werbekampagnen schärfen und ausweiten, die auf nachhaltigeres Verhalten zielen“, sagt Oliver Wyman Principal Dennis Manteuffel. Wichtig seien passende Zielgruppen-Ansprachen: „Studierende oder Berufseinsteiger in einer Mietwohnung haben geringere Möglichkeiten als Familien im Eigenheim“, so Manteuffel weiter. Es könne sinnvoll sein, jüngeren Menschen entsprechende Dienstleistungen zunächst sogar kostenlos anzubieten, um diese langfristig als Kunden zu binden.  

Die Weichenstellungen der Politik seien zentral, sagt Energiewirtschafts-Experte Stäglich: „Regierungen können stark einwirken über Anreizprogramme oder über Regulierung – bis hin zur Einschränkung nicht-nachhaltiger Angebote.“ Er plädiert jedoch dafür, Technologien nicht über Subventionierung zu diskriminieren oder zu bevorzugen. „Es braucht technologieneutrale Förderung. Den Rest muss die Politik dem Markt überlassen, um zu effizienten Lösungen zu kommen.“  

ÜBER DIE STUDIE 

Für die „Carbon Neutral“-Studie hat Oliver Wyman im November 2020 eine Online-Befragung unter 1.000 Personen in Deutschland zum Interesse an Lösungen zur Verringerung des persönlichen CO2-Fußabdrucks im privaten Verbrauch durchgeführt.  

PRESSEKONTAKT 

Carolin Dolata 
Communications Associate DACH 
Oliver Wyman 
Tel.: +49 162 1314465  
Email: carolin.dolata@oliverwyman.com 

 

ÜBER OLIVER WYMAN 

Oliver Wyman ist eine international führende Strategieberatung mit weltweit über 5.000 Mitarbeitern in 60 Büros in
31 Ländern. Wir verbinden ausgeprägte Branchenexpertise mit hoher Methodenkompetenz bei Digitalisierung, Strategieentwicklung, Risikomanagement, Operations und Transformation. Wir schaffen einen Mehrwert für den Kunden, der seine Investitionen um ein Vielfaches übertrifft. Wir sind eine hundertprozentige Tochter von Marsh & McLennan Companies (NYSE: MMC). Unsere Finanzstärke ist die Basis für Stabilität, Wachstum und Innovationskraft. Weitere Informationen finden Sie unter www.oliverwyman.de. Folgen Sie Oliver Wyman auf Twitter @OliverWyman. 

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