Weltweite Einnahmen neuer Mobilitätsdienste steigen bis 2030 auf über 660 Milliarden Euro

01.08.2022

München, 01. August 2022 Die zunehmende Nutzung von Mobilitätsdiensten in Europa, Asien und den USA verspricht einen Wandel der Städte und wird dem Klima zugutekommen. Laut einer aktuellen Studie des Oliver Wyman Forum in Kooperation mit dem Institute of Transportation Studies (ITS) der University of California, Berkeley wird eine Welle von bedarfsgesteuerten, gemeinsam genutzten und elektrisch betriebenen städtischen Verkehrsdiensten erwartet, die bis 2030 weltweit einen Umsatz von mehr als 660 Milliarden Euro generieren wird.

Mobilitätsexpertinnen und -experten weltweit diskutieren über neue On-Demand-Mobilitätsdienste, zentrale Mobility-Spieler und ihre Strategien sowie künftige Technologien und Herausforderungen an der Schnittstelle von Kunden und Anbietern. Derzeit stellen städtische Mobilitätsoptionen global einen Marktwert von 260 Milliarden Euro dar (dazu gehören Ride-Sharing, E-Scooter, Ladestationen für Elektrofahrzeuge und intelligente Park-Apps). Bis 2030 wird der Umsatz neuer Mobilitätsmodi jährlich mit einer Wachstumsrate von zehn Prozent pro Jahr auf über 660 Milliarden Euro wachsen. Das geht aus dem aktuellen Report Mobility Value Pools 2022 der internationalen Strategieberatung Oliver Wyman in Kooperation mit dem Institute of Transportation der University of California, Berkeley hervor. Damit liegt das Wachstum über dem Gesamtwachstum der Mobilität, konkret Autos und konventionelle öffentliche Verkehrsmittel, das rund fünf Prozent pro Jahr betragen wird. Zum Vergleich: Die Umsätze aus dem weltweiten Mobilitätsmarkt liegen derzeit bei circa acht bis zehn Billionen Euro. Zudem kommen die Autoren zu dem Schluss, dass neu entstehende Mobilitätsdienste das Potenzial haben, den Verkehr in Städten und Vorstädten umzugestalten und das Klima und die soziale Nachhaltigkeit deutlich zu verbessern.

Europa auf der Überholspur
Wie unterschiedlich sich die neuen Dienste je nach Standort entwickeln, zeigt ein internationaler Vergleich: Europa wird den Studienergebnissen zufolge Asien als den am schnellsten wachsenden Markt für Elektrofahrzeuge überholen. Gleichzeitig wird sich Asien zu einem größeren Markt für Angebote wie Bike- und Moped-Sharing entwickeln. Stand heute ist der asiatische Mikromobilitätsmarkt etwa so groß wie der europäische und der nordamerikanische zusammen, und wird 2030 noch deutlich größer sein. So könnten die Einnahmen asiatischer Mobilitätsdienste bis 2030 auf knapp 340 Milliarden Euro anwachsen. In Nordamerika könnten sie sich auf etwa 175 und in Europa auf knapp 145 Milliarden Euro belaufen. „Wir erwarten starke Umsätze gerade von neuen Mobilitätsdiensten, die mit durchschnittlich 23 Prozent pro Jahr viermal schneller wachsen dürften als der gesamte Mobilitätsmarkt“, sagt Steffen Rilling, Mobilitätsexperte bei Oliver Wyman und Co-Autor der Studie.

Verbot schmutziger Motoren vs. widersprüchliche Nachfrage
Die Mobilitätsbedürfnisse der Verbraucher entwickeln sich auf scheinbar widersprüchliche Weise und machen sie offen für digitale und On-Demand-Dienste. Einerseits wünschen sich die Konsumenten kostengünstige Mobilität: insbesondere finanzielle Unsicherheit führt dazu, dass einige den Kauf eines Autos vermeiden. So ergab eine Umfrage des Oliver Wyman Forum unter 10.000 Endnutzern weltweit, dass für 54 Prozent der Befragten die Bezahlbarkeit ein zentraler Faktor bei der Wahl des Verkehrsmittels ist. Auch die steigenden Energiepreise – erwartet werden nach Oliver Wyman Berechnung Steigerungen zwischen 80 und 130 Prozent – untermalen diese Entwicklung. Die Pandemie beschleunigte jedoch die Abkehr vom öffentlichen Nahverkehr, der die günstigste verfügbare Dienstleistung darstellt. Stattdessen entscheiden sich viele Verbraucher für individuelle Mobilität und aktive Verkehrsmittel wie das Fahrrad: 90 Prozent der durch das Oliver Wyman Forum befragten Personen erwarten, dass sie in den nächsten sechs Monaten mindestens einmal im Monat ein Auto benutzen oder zu Fuß gehen werden, während nur 35 Prozent öffentliche Verkehrsmittel benutzen wollen. Die Verbraucher wünschen sich außerdem flexible, bedarfsgerechte und erschwingliche Verkehrsmittel, was für Anbieter eine kaum zu vereinbarende Herausforderung darstellt. „Neue Anbieter von Mobilitätsdienstleistungen werden es schwer haben, die individuellen Kundenwünsche zu erfüllen“, sagt Andreas Nienhaus, Partner bei Oliver Wyman und Co-Autor der Studie. „Lokale Behörden werden entscheiden müssen, wie viel sie für den öffentlichen Nahverkehr und wie viel für Fahrradwege oder Parkplätze ausgeben wollen. Auf allen Regierungsebenen wird der technologische Fortschritt oft schneller sein als die Regulierung, ein Grund dafür, dass viele Städte öffentlich-private Partnerschaften als Mittel der Zusammenarbeit gewählt haben“, so der Mobilitätsexperte Nienhaus weiter.

Der Umstieg auf Fahrräder und Motorroller könnte die Zahl der Autos in den Städten verringern, während Ride Hailing und Car-Sharing anderen Ortes aber auch zu Staus beitragen könnten; etwa dann, wenn Pendler diese Dienste dem öffentlichen Nahverkehr vorziehen. Denn auch wenn einige Pendler seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie wieder vermehrt den öffentlichen Nahverkehr nutzen, sind diese Systeme nach wie vor anfällig. Es sei Aufgabe der Städte ein Gleichgewicht zwischen der Förderung neuer Lösungen und der Stärkung der Nahverkehrssysteme zu finden, so Rilling. Dies könne gelingen, indem sie konsequent und längerfristig in die Infrastruktur des öffentlichen Nahverkehrs investieren, erschwingliche Fahrpreise beibehalten und Ökosysteme schaffen, die neue Dienste so weit wie möglich mit dem öffentlichen Nahverkehr verbinden.

 

Über den Mobility Value Pool-Report
Für den Mobility Value Pool-Report 2022 hat Oliver Wyman in Kooperation mit dem Institute of Transportation der University of California, Berkeley über einen Zeitraum von mehr als 18 Monaten insgesamt 13 Mobilitätsdienste (Car Rental, Car-Sharing, Car Subscription, Air Taxis, Carpooling, On-Demand Bus Pooling, Ride Hailing & Taxis, Bike-Sharing, Kick-Scooter-Sharing, Moped-Sharing, Charging Services, Navigation Services und Smart Parking Payment Services) in den drei Regionen Europe, Asien und Nordamerika für die Zeiträume 2020, 2025 und 2030 untersucht und ausgewertet. Das Ergebnis ist ein umfangreicher Datenpool mit Angaben zu 13 Mobilitätsdiensten nach Industrie und pro Land. Hier geht es zu den vollständigen Ergebnissen des Reports.


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