Oliver Wyman Rezessionsindikator springt auf rot

21.06.2022

München, 21. Juni 2022 Europäische Industrieunternehmen kommen nicht zur Ruhe. Während sich der Leitindikator der Oliver Wyman Recession-Heatmap im Jahr 2021 zusehends erholte, sorgen anhaltende Probleme der Lieferketten, die wirtschaftliche Abkühlung in China, sowie der Krieg in der Ukraine vermehrt für Unruhe in der Branche. Im zweiten Quartal 2022 sprang der Leitindikator auf dunkelrot, was auf eine heraufziehende Rezession schließen lässt. Wenngleich die Form, Dauer und Tiefe dieser Rezession noch unklar ist, müssen sich die Unternehmen auf verschiedene Szenarien vorbereiten und entsprechende Strategien zur Optimierung oder Transformation umsetzen.

Die Unsicherheiten in den globalen Lieferketten seit Beginn der Pandemie betreffen den global aufgestellten Industriegütersektor in besonderem Maße. Die heranziehende Rezession im Industriegütersektor unterscheidet sich laut der internationalen Strategieberatung Oliver Wyman von früheren Krisen. „Die bevorstehende Rezession hat einen anderen Ausgangspunkt, andere Mechanismen und erfordert andere Strategien“, sagt Wolfgang Krenz, Leiter der der globalen Industriegüter-Practice bei Oliver Wyman. „Normalerweise liegen zwischen den Rezessionen Erholungsphasen von mehreren Jahren. Diesmal begann die letzte Rezession im Maschinenbausektor erst Ende 2019 und wurde durch die COVID-Pandemie weiter angeheizt“, so Krenz weiter.


Eine neue Art von Krise für die Industriegüterbranche

Während sich der Sektor im Allgemeinen im Jahr 2021 stark erholte, sind einige Unternehmen noch immer von der Pandemie gezeichnet, und das Geschäftsniveau liegt insgesamt noch unter dem Höchststand von 2018. Einige Teilsektoren liegen mehr als 20 % unter dem Vorkrisenniveau und stehen vor zusätzlichen strukturellen Herausforderungen. Folglich steigt die Wahrscheinlichkeit einer Rezession, wie der Leitindikator zeigt. „Während frühere Rezessionen hauptsächlich nachfragegetrieben waren, sehen wir bei der nächsten Rezession eine Supply-getriebene Entwicklung“, sagt Krenz. Als zentrale Treiber hierfür nennt er gravierende Engpässe bei der Materialversorgung aufgrund des schleppenden Wiederanlaufs nach COVID, erneute Lockdowns in China sowie stark steigende Kosten. Während die Kostensteigerungen zunächst auf die Versorgungsengpässe zurückzuführen waren, kämen jetzt auch noch die aufgrund des Ukrainekriegs gestiegenen Energiekosten und die hohe allgemeine Inflation hinzu. Infolgedessen steuert der Sektor trotz eines Allzeithochs bei den Auftragsbeständen in einen Abschwung, der sich bereits in einem Produktionsrückgang ablesen lässt. „Der Druck auf die Gewinnspannen, der hohe Bedarf an Betriebskapital und die allgemeine Ungewissheit führen dazu, dass Industrieunternehmen sehr vorsichtig werden und ihre Investitionen aufschieben, wodurch das Risiko einer Rezession weiter steigt“, erläutert Krenz.

Bislang, so der Oliver Wyman-Experte, hätten die meisten Industrieunternehmen in der Hoffnung auf ein schnelles Ende des Ukraine-Kriegs und der Abriegelungen in China eine abwartende Haltung eingenommen. Der Oliver Wyman-Experte rät, sich auf zwei Ebenen vorzubereiten: Zum einen sollten Unternehmen die Finanzierung eines ungewöhnlich hohen Betriebskapitals sicherstellen. Gleichzeitig können die ungewöhnlich hohen, weitreichenden Auftragsbestände in einem inflationären Umfeld ein erhebliches Margenrisiko mit sich bringen, das es abzufedern gilt. Zum anderen sollten Unternehmen ihre Lieferketten überprüfen und umgestalten, um die Widerstandsfähigkeit gegen Versorgungsschocks wie den aktuellen in Zukunft zu erhöhen.

Das Verständnis der verschiedenen Szenarien und der jeweiligen Optionen eines Unternehmens werde wichtiger und schwieriger sein als in anderen Rezessionen, zumal die Auslöser der Rezession möglicherweise nicht vorübergehend sind, sondern vielmehr tiefgreifende strukturelle Veränderungen im geopolitischen und wirtschaftlichen Gefüge der Welt widerspiegeln. „Mehr denn je werden die Unternehmen, die den Abschwung für Umstrukturierungsmaßnahmen nutzen, die Gewinner des nächsten Aufschwungs sein“, so Krenz.

 

Über die Recession-Heatmap
Die Oliver Wyman Recession-Heatmap wurde erstmals Anfang 2019 veröffentlicht, hat die 2019er Rezession verlässlich vorhergesagt und erhielt ihre letzte Aktualisierung im Juni 2022. Sie hilft Industrieunternehmen dabei, die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in ihrem jeweiligen Sektor einzuschätzen. Die Heatmap zeigt die Indikatoren und die wirtschaftliche Situation der verschiedenen Industriegütersegmente in Deutschland und in der EU von 2006 bis heute und hat das Potenzial, eine sich abzeichnende Rezession bereits drei bis vier Quartale vor deren Eintreten anzuzeigen, wie ein Backtesting der Rezession aus 2008 gezeigt hat. Hier geht es zur Oliver Wyman Recession Heatmap.

 


Pressekontakt
Oliver Wyman GmbH
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E-Mail: davina.zenz-spitzweg@oliverwyman.com
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