Hamsterkäufe bei Heizlüftern? Wer die Wohnung mit Heizlüftern wärmt, zahlt drauf und verschärft den Gasmangel

September, 27, 2022

München, 27. September 2022  – Angesichts massiv steigender Gaspreise und drohender Engpässe haben zuletzt hunderttausende Haushalte in Deutschland einen Heizlüfter angeschafft. Eine Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman zeigt: Der Einsatz dieser strombetriebenen Geräte wird sich nicht lohnen und birgt Risiken. Zum einen ist diese Heizmethode deutlich teurer verglichen mit wesentlich effizienteren Gasheizungen. Zum anderen leidet die Umwelt: Sollten Heizlüfter zahlreich zum Einsatz kommen, müssten die Energieversorger den zusätzlichen Strom hauptsächlich in Gaskraftwerken erzeugen. So würden Heizlüfter am Ende die Rohstoffknappheit eher verstärken als mildern. Schlimmstenfalls drohen lokale Stromausfälle aufgrund einer Überlastung der Verteilnetze.

Die Angst vor ausgekühlten Wohnungen in Zeiten der Gaskrise verleitet derzeit Haushalte zu einem ungewöhnlichen Hamsterkauf. Heizlüfter stehen bei vielen auf dem Einkaufszettel. Allein im ersten Halbjahr 2022 wurden hierzulande 600.000 der strombetriebenen Geräte angeschafft, hat das Marktforschungsunternehmen GfK ermittelt. Die Ausgabe hätten sich die Verbraucherinnen und Verbraucher besser gespart. Denn eine Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman zeigt: Die Energieversorger müssten zusätzlichen Strombedarf für Heizlüfter vor allem über konventionelle Gaskraftwerke decken – die in der Anschaffung günstigen Geräte wirken als gefährliche Preistreiber und verstärken die Gasknappheit zusätzlich.

Problematisch ist vor allem, dass Heizlüfter weniger effizient Wärme liefern als übliche Gasheizungen. „Ihr Einsatz ist für Haushalte damit teurer als konventionelles Heizen“, sagt Jörg Stäglich, Leiter der europäischen Energy & Natural Resources Practice und globaler Leiter des Bereichs Energieversorger bei Oliver Wyman. Um dieselbe Wärme zu erzeugen, benötigen Heizlüfter über den Umweg der Stromproduktion in Gaskraftwerken doppelt so viel Gas wie Thermen, die es direkt verfeuern. „Es droht ein Teufelskreis“, sagt Stäglich. „Wenn wir vermehrt Gas zur Verstromung einsetzen müssen, verknappt sich die in Deutschland verfügbare Gasmenge weiter und der Gaspreis steigt.“ 

Gasverbrauch steigt massiv

Die Oliver Wyman-Experten haben in einer Szenario-Rechnung die Folgen ermittelt, falls 30 bis 50 Prozent der 20 Millionen deutschen Haushalte mit einer Gasheizung auf Heizlüfter zurückgreifen: Ihr Einsatz, um die Wohnung im Winter warm zu halten oder zumindest eine abgesenkte Raumtemperatur wieder zu erhöhen – vor allem früh morgens oder abends – würde die Stromnachfrage in Spitzenzeiten um bis zu 25 Prozent erhöhen. Gleichzeitig entstünde allein im Februar ein zusätzlicher Gasbedarf von 2,5 Terawattstunden. Damit ließen sich in einem durchschnittlichen Februar bis zu 1,3 Millionen Haushalte durch Gasthermen beheizen. „Ein breitflächiger Einsatz von Heizlüftern würde den Gasmangel hierzulande weiter verschärfen“, sagt Dr. Thomas Fritz, Partner in der Energy & Natural Resources Practice bei Oliver Wyman. Zudem müssten Verbraucher beim Betrieb von Heizlüftern laut den Experten mit deutlichen Kostensteigerungen rechnen. Ein täglich vier Stunden zur Wärmeerzeugung genutzter Heizlüfter mit 2.000 Watt verursacht im Vergleich zur Gastherme Mehrkosten von bis zu 180 Euro im Monat, abhängig vom aktuellen Strom- und Gasvertrag. „Die Nutzung von Heizlüftern ist damit weder energiewirtschaftlich noch ökonomisch oder politisch sinnvoll“ erläutert Fritz. 

So könnten Privatleute die Einsparpläne der Politik empfindlich konterkarieren. „Auch mit Blick auf den Klimaschutz ist der Einsatz von Heizlüftern zweifelhaft, denn der CO2-Ausstoß steigt“, sagt Fritz.  „Gerade in kalten Wintermonaten ist mit der ungünstigen Konstellation zu rechnen, dass erneuerbare Energien nur wenig Strom produzieren und gleichzeitig viele Heizlüfter im Betrieb sind. In dem Fall bestünde die Gefahr einer Unterdeckung – es könnte also zeitweise zu wenig Strom im Netz geben.“ 

Lokale Stromausfälle statt bundesweitem Blackout

Ein großflächiger oder gar kompletter Zusammenbruch des Stromnetzes ist nach Einschätzung der Oliver Wyman-Experten nicht zu befürchten. Dennoch könne es im Verteilnetz lokal zu Störungen kommen. Dieses Risiko bestehe insbesondere an vereinzelten Stellen des Verteilnetzes, wo ein erhöhter Strombedarf auf veraltete Kabel und Trafos trifft, die über geringere Kapazitätsgrenzen verfügen.

 

Pressekontakt
Oliver Wyman GmbH
Daniel Hardt
E-Mail: daniel.hardt@oliverwyman.com
Mob.: +49 172 5682279

 

Über die Studie

Für die Studie untersuchte Oliver Wyman die Folgen der Nutzung von elektrischen Heizlüftern auf den Gasverbrauch sowie die Versorgungssicherheit in Deutschland. Analysiert wurden vier Szenarien: Ein Basisszenario auf Grund von Durchschnittwerten der letzten Jahre für den Monat Februar, der vollständige Weiterbetrieb von sechst Kernkraftwerken, die Auswirkungen einer minimalen Einspeisung durch Erneuerbare Energien sowie ein „kalter“ Februar. Die Analyse erfolgte auf Basis öffentlich zugänglicher Daten zur Stromerzeugung und Lastkurven sowie Strom- und Gaspreisen.

Über Oliver Wyman

Oliver Wyman ist eine international führende Strategieberatung mit weltweit über 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in mehr als 70 Büros in 30 Ländern. Wir verbinden ausgeprägte Branchenexpertise mit hoher Methodenkompetenz bei Digitalisierung, Strategieentwicklung, Risikomanagement, Operations und Transformation. Wir schaffen einen Mehrwert für den Kunden, der seine Investitionen um ein Vielfaches übertrifft. Oliver Wyman ist ein Unternehmen von Marsh McLennan (NYSE: MMC). Unsere Finanzstärke ist die Basis für Stabilität, Wachstum und Innovationskraft. Weitere Informationen finden Sie unter www.oliverwyman.de. Folgen Sie Oliver Wyman auf LinkedIn, Twitter, Facebook und Instagram.

 

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