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So wird Logistik profitabler

Trotz Umsatzwachstum steigern nur wenige Logistiker ihre Profitabilität. Wer profitabel wachsen will, muss mehr tun, als an den kleinen Kostenschrauben zu drehen und auf Skalen- und Synergieeffekte durch Akquisitionen zu hoffen. Dies erfordert Veränderungsbereitschaft und unternehmerischen Mut, Althergebrachtes in Frage zu stellen. Der Artikel zeigt sechs Ansätze für mehr Profit in einem Wachstumsmarkt.

Große Lücke zwischen Umsatz und Profitabilität

Umsatz und Profitabilität liegen bei den Topunternehmen der Logistikbranche weit auseinander. Eine seit 2005 durchgeführte Analyse von 100 führenden Logistikunternehmen weltweit zeigt ein beeindruckendes Umsatzwachstum von durchschnittlich sieben Prozent pro Jahr. Zugleich aber ging die Profitabilität deutlich zurück. Die EBITDA sank von 6,8 Prozent im Jahr 2005 auf 4,2 Prozent 2012:


So wird Logistik profitabler

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Joris D'Incà und Michael Lierow Beantworten 3 Fragen
  • 1Warum ist die Lage für Logistikunternehmen so schwierig?

    Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein zentraler Punkt ist, dass Anbieter nicht im Netzwerk arbeiten, sondern vielmehr als eigenständig operierende Niederlassungen. Traditionelle Denkmuster und Silodenken hindern Unternehmen jedoch daran, Skaleneffekte zu erzielen. Sogar die Gewinn- und Verlustrechnung ist häufig auf lokaler Ebene verankert. Das führt dazu, dass sich jeder zu Lasten der anderen optimiert. So sind eine Realisierung von Skaleneffekten, die Professionalisierung von Kernfunktionen, angemessene Fremdvergaben und eine Netzwerkoptimierung kaum möglich. Erschwerend hinzu kommen komplexe Matrixstrukturen und damit eine mühsame Entscheidungsfindung sowie Überschneidungen von Funktionen und Verantwortlichkeiten. Andere wichtige Gründe für die schwierige Lage hängen mit einer mangelnden Standardisierung und Professionalisierung von Prozessen zusammen.

  • 2Können Unternehmen ihre Profitabilität durch stärkere Optimierung steigern?

    In den letzten Jahren hat die Logistikbranche die bestehenden Geschäftsmodelle bis zur kleinsten Kostenschraube optimiert. So setzte man im Straßenverkehr verstärkt auf Routenoptimierungssysteme, verlagerte LKW-Flotten an Standorte mit niedrigeren Personalkosten, bevorzugte netzwerkfähige Lieferungen , führte technologische Innovationen ein oder erhöhte die Kapazitätsauslastung der Fahrzeuge. Noch sind weitere Kostenvorteile realisierbar, beispielsweise durch den Einsatz von Leichtbau, von verbesserter Aerodynamik oder von effizienteren Motoren. Doch stoßen diese traditionellen Hebel zunehmend an ihre Grenzen. In anderen Logistiksegmenten ist die Situation ähnlich. Damit Anbieter in Zukunft profitabel wachsen können, müssen sie ihre klassischen Geschäftsmodelle von Grund auf ändern.

  • 3Wie können Logistikunternehmen wieder profitabel wachsen?

    Um profitabel zu wachsen, müssen Logistikdienstleister ihre Geschäftsmodelle für die Zukunft grundlegend überdenken. Dazu gehören: die Standardisierung und Verschlankung von Strukturen und Prozessen, die Entwicklung von branchenspezifischen und innovativen Lösungen, Denken und Agieren in Netzwerken sowie die Professionalisierung von Kernfunktionen wie das Tendermanagement. Die traditionelle Kultur des lokalen Unternehmers, der sich auf die laufenden Vorgänge konzentriert und Bauchentscheidungen trifft, wird künftig nicht mehr ausreichen. Eine unternehmerische Ausrichtung der Niederlassungen ist weiterhin wichtig. Diese muss jedoch ergänzt werden durch eine ganzheitliche Sicht auf das Geschäft, mehr Systematik sowie verstärkte Teamorientierung. Und schließlich gehört auch dazu, die Werte und Ziele der einzelnen Mitarbeiter mit der neuen Unternehmensperspektive in Einklang zu bringen.