Die Krise nach der Krise
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Auch nach mehr als zwei Jahren hat die COVID-19-Pandemie noch Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Doch die meisten Unternehmen in Europa haben die COVID-19-Krise gut überstanden: Der steile Absturz der Weltwirtschaft im Jahr 2020 wurde durch wirksame staatliche Hilfsmaßnahmen und das von Banken und Kapitalmärkten zur Verfügung gestellte Kapital abgefedert, das in der Krise zur Sicherung der Liquidität beitrug. Infolgedessen haben die Unternehmen in ganz Europa die Krise im Jahr 2021 gut überstanden. Die Umsätze lagen im zweiten Quartal 2021 bereits um 6 % über denen des gleichen Zeitraums vor der Krise, und die EBITDA-Margen verbesserten sich um mehr als 300 Basispunkte. Gleichzeitig waren die Unternehmen in der Lage, ihre Barmittel deutlich stärker zu erhöhen als die Verschuldung, so dass sie ihre Nettofinanzverschuldung und den Verschuldungsgrad deutlich reduzieren konnten.

Ein genauerer Blick auf die einzelnen Wirtschaftszweige ergibt jedoch ein differenzierteres Bild. In einigen Sektoren wie dem Tourismus oder der Luftfahrt sind die Einnahmen und die EBITDA-Marge im Vergleich zum Vorkrisenniveau immer noch niedriger. Andere, wie die Metall- und Bergbauindustrie, sind gewachsen und haben ihr EBITDA deutlich verbessert. (Siehe Abbildung 1). 

Abbildung 1: Die Auswirkungen von COVID-19 und dem Krieg in der Ukraine auf die europäische Industrie

Die Spätfolgen von COVID-19 werden durch die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine noch verstärkt

Infolge der Krise sind die Kosten für wichtige Rohstoffe und die Containertransport-Raten in die Höhe geschnellt. Diese Entwicklung wird durch die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die globalen Lieferketten noch verstärkt. Versorgungsengpässe tragen zu diesen Herausforderungen bei, da sie die Fertigstellung von Produkten behindern und das Kapital in höheren Lagerbeständen gebunden ist. Die Refinanzierung staatlicher Beihilfen, der Zugang zu Kapital und steigende Zinssätze werden als weitaus geringere Herausforderung wahrgenommen. 

80 % der von uns befragten Experten sind der Meinung, dass die Spätfolgen der COVID-19-Krise die Unternehmen im Jahr 2022 in große Schwierigkeiten bringen werden.

Einige Branchen sind mit einem hohen Risiko behaftet - aber Kapital ist verfügbar, wenn die Strategie solide ist

Der für 2023 erwartete Druck auf das Gewinnniveau ist in den einzelnen Branchen unterschiedlich. Unternehmen, die mit globalen Lieferketten arbeiten, von Rohstoffen abhängig sind und viel Energie verbrauchen, haben wenig Verhandlungsmacht gegenüber ihren Kunden, und ihre Zulieferer werden vor großen Herausforderungen stehen. Dies gilt für viele Automobilzulieferer sowie für Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, des Maschinenbaus und des Baugewerbes. Gleichzeitig durchlaufen diese Branchen disruptive Veränderungen wie der Elektrifizierung des Antriebsstrangs, der Digitalisierung und der Notwendigkeit der Einhaltung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Vorschriften (ESG). Die disruptiven Veränderungen können für einige Unternehmen einen "perfekten Sturm" erzeugen, den es in den nächsten Jahren zu überstehen gilt. Manager, die ihr Unternehmen an die sich wandelnden Märkte und die steigenden operativen Herausforderungen anpassen können, werden jedoch weiterhin Kapitalgeber finden, die bereit sind, ihren Finanzierungsbedarf zu decken.

Lesen Sie unsere jährliche Restrukturierungsbroschüre, um mehr über den Zustand der europäischen Unternehmen zu erfahren, die zwischen diesen beiden Krisen stecken, und um herauszufinden, welche Herausforderungen aus der COVID-19-Krise bestehen bleiben und welche neuen entstehen werden.