Um die Energiewende erfolgreich mitzugestalten, ist es seit 2025 für Energieversorgungsunternehmen (EVUs) verpflichtend, dynamische Stromtarife anzubieten. Dabei werden statt eines statischen Arbeitspreises die Börsenstrompreise (einschließlich Netzentgelte und Abgaben) an den Verbraucher weitergegeben. So sollen Anreize für den Stromverbrauch in Zeiten günstiger Strompreise geschaffen werden – zum Beispiel während eines hohen Angebots an erneuerbaren Energien durch viele Sonnen- oder Windstunden. Dynamische Stromtarife können unter anderem durch die Verbesserung der Netzstabilität ein Hebel für das Erreichen der Klimaneutralität bis 2045 sein.
Die gängigen Tarifangebote lassen sich in drei Gruppen einteilen:
- Statischer Tarif: Der Strompreis ist über einen langen Zeitraum fixiert und verändert sich nicht – unabhängig von Tageszeit oder Verbrauch. Dadurch gibt es zwar geringe bis keine Komplexität für den Verbraucher, aber auch keine Anreize, da bei zeitlicher Verschiebung des Verbrauchs die Einsparmöglichkeiten fehlen.
- Time of Use: Der Strompreis variiert je nach Tageszeit, mit einem Niedertarif in der Nacht (zwischen 22 und 6 Uhr) und einem Hochtarif am Tag (zwischen 6 und 22 Uhr). Dadurch ist die Komplexität für den Verbraucher gering und es gibt Anreize und Einsparmöglichkeiten durch Verschiebung des Verbrauchs in den Niedertarif. Allerdings passt sich der Strompreis nicht an die Marktsituation an.
- Dynamischer Tarif: Basierend auf dem Day-Ahead-Markt ändert sich der Strompreis stündlich, was eine flexible Anpassung ermöglicht. Das erhöht die Komplexität für den Verbraucher, schafft aber auch Einsparmöglichkeiten durch Anpassung des Verbrauchs an den Börsenpreis.
Unsere Analyse zeigt, dass sich dynamische Stromtarife zurzeit für etwa 70 Prozent der deutschen Haushalte kaum lohnen. Die Einsparpotenziale für Haushalte mit einem Verbrauch zwischen 1.500 und 3.000 kWh liegen lediglich zwischen zwei und fünf Prozent. Haushalte mit entsprechend hohem Jahresverbrauch und steuerbaren Komponenten – wie Wärmepumpen oder E-Autos – können bis zu 30 Prozent einsparen.
Um dynamische Stromtarife für Verbraucher mit geringer Flexibilität attraktiver zu machen, sollte der Gesetzgeber die Nutzung flexibel steuerbarer Geräte – wie Wärmepumpen, Photovoltaik-Anlagen, E-Autos, Speicheranlagen – fördern sowie transparente und gedeckelte Preisobergrenzen einführen. Für Versorger gilt es, die Einsparpotenziale und Risiken klar zu kommunizieren und dynamische Tarifmodelle für aggregierten Verbrauch zu entwickeln.
Die Gruppe der Haushalte mit flexiblem Verbrauch, die bereits das höchste Einsparpotenzial haben, kann der Staat durch klare gesetzliche Rahmenbedingungen unterstützen, um so Transparenz und Vertrauen im Markt zu schaffen. Die Versorger können diese Gruppe durch gezielte Beratung in ihrer Gesamtheit erschließen und gleichzeitig die Kundenbindung stärken, indem sie maßgeschneiderte Angebote entwickeln.
Wir danken Charlotte Schulze, Franka Hörmann und Nik Hauska von der TU München für die intensive Mitarbeit an der Studie.